China: Vom Klimasünder zur Ökomacht

Verschärfte Umweltgesetze und kontinuierliches Investments in erneuerbare Energien und Clean Technology: China beweist, dass eine Vereinbarkeit von Nachhaltigkeit und Wirtschaftswachstum möglich ist und nimmt eine aufstrebende, globale Führungsrolle im Kampf gegen den Klimawandel ein.

China bedroht Weltklima

In nur 30 Jahren hat sich China zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt entwickelt und dabei über 200 Millionen Menschen aus akuter Armut befreit. Allerdings wurde diese Entwicklung von einer besonders energieintensiven Industrie vorangetrieben und so hauptsächlich von umweltschädlichen fossilen Brennstoffen befeuert.

Mit großer Sorge blickte die Welt 2014 auf die Auswirkungen von Chinas Wachstum auf die Umwelt und das weltweite Klima. Die Studie „The Global Carbon Project Report“ wurde anlässlich der Klimakonferenz in New York in Auftrag gegeben. Sie errechnete, dass die weltweiten Emissionen bis 2020 auf 43.2 Milliarde Tonnen ansteigen, mit einem Anteil Chinas von 12.7 Milliarden Tonnen. Damit nimmt China, mit fast 29% des weltweiten CO2 Ausstoßes, eine fatale Führungsposition ein.

Täglich 4.000 Todesfälle

In den vergangenen Jahren ist die chinesische Regierung stark unter Druck geraten. Das Ende des Wirtschaftswunders drohte, weil Gesellschaft und Umwelt dem Wachstum nicht länger standhalten. Noch vor 10 Jahren argumentierte ein Großteil der Bevölkerung, man habe das Recht auf industrielle Entwicklung, Umweltfragen könne man sich anschließend widmen. Doch die Belastung ist so extrem, dass die Bevölkerung nach Reformen schreit.

Laut einer 2008 veröffentlichten Studie des WWF müssen 30% aller Städter stark verschmutzte Luft einatmen. Auf der Liste der Städte mit der schlechtesten Luft weltweit, liegen 16 der Top 20 Städte in China. Laut Weltbank sterben jährlich 750.000 Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung. Die WWF Studie berichtet darüber hinaus, dass rund 25% der Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, sowie 67% aller Süßwasservorkommen stark belastet und nicht für die menschliche Nutzung geeignet sind. Auf gut einem Drittel der Landesflächen Chinas geht saurer Regen nieder. Dieser führt zu erheblichen Ernteausfällen, Materialschäden und Waldsterben.

Insgesamt sterben jährlich schätzungsweise 1,6 Mio Chinesen frühzeitig an den Folgen der Umweltbelastung. Das sind im Durchschnitt 4.000 Menschen am Tag.

Eine neue Ära

2007 erkennt Staatschef Wen Jiabao: „Für den Kurswechsel gibt es keine Alternative.“ Auf dem 17. Parteitag der Kommunistischen Partei, im Oktober 2007 ändert, Chinas Führung seine Haltung zum Umweltschutz. Seit 2015 gilt der 13. Fünfjahresplan, er soll China von 2016-2020 in eine nachhaltige, ökonomische Zukunft führen. Angewiesen auf eine beständig wachsende Wirtschaft steht die Vereinbarkeit zwischen Nachhaltigkeit und Wachstum im Fokus. So soll das wirtschaftliche Wachstum von der Entwicklung der CO2-Emissionen entkoppelt werden.

Ambitionierte Ziele

In seinen „Intended Nationally Determined Contributions“ (INDC) gibt China am 30. Juni 2015 weitreichende Schritte zur Energiewende bekannt. Die INDC ist die Basis für das Klimaabkommen von Paris, das China am 12. Dezember 2015 unterzeichnet. Dabei verpflichtet sich China bis 2030 zur Umsetzung dreier Kernziele

  1. Ausgehend von den Werten in 2005 soll der CO2 Ausstoß pro Einheit des BIP um 65% reduziert werden.
  2. China verpflichtet sich den Höhepunkt seines Gesamt-CO2 Ausstoßes bis 2030 erreicht zu haben. Danach entwickeln sich die CO2 Werte kontinuierlich rückläufig.
  3. Bis 2030 möchte China den Anteil erneuerbarer Energien (d.h. nicht fossiler Energieträger) um 20 Prozent erhöhen.

Historische Wende

Um die ambitionierten Ziele der Staatsführung umzusetzen, muss das Land eine historische Wende vollziehen, denn eine Entkopplung der Emissionen vom Wirtschaftswachstum verlangt ein neues, modernes Wirtschaftssystem. Und so läutet China eine neue Ära ein und verabschiedet sich von seiner Schwerindustrie. Die fertigungsintensive Wirtschaft soll durch eine Ökonomie basierend auf Qualität, Innovation und Dienstleistungen, abgelöst werden.

Der Übergang von quantitativen Wachstum zu einem vermehrt qualitativen, nachhaltigeren Wachstum, hat einen Boom in der Branche für Umwelttechnologien ausgelöst. Experten schätzen den Markt für grüne Technologien in China jährlich auf bis zu 920 Mrd. EUR.

Chinas Staatsführung ist auf dem Weg eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz zu übernehmen und investiert in erneuerbare Energien. Allein 2016 investierte die Volksrepublik 376 Milliarden USD in energieeffiziente, emmisions-reduzierende Technologien und Projekte.

Energiewende auf Erfolgskurs

Während für Deutschland die Erfüllung der Ziele des Pariser Klimaabkommens in weite Ferne gerückt ist, gibt China Ende 2017 bekannt, dass es die CO2 Intensität im Vergleich zu 2005 bereits um 54% senken konnte. Damit erfüllt China sein für 2020 avisiertes Klimaziel drei Jahre im Voraus. Auch bezüglich der Vereinbarung zur Erreichung des CO2-Höchstausstoßes bis 2030 „ist damit zu rechnen, dass China dieses Ziel bereits 2020 oder möglicherweise früher erreichen wird“, meint Li Shuo von Greenpeace.

China beweist, dass eine Vereinbarkeit von Nachhaltigkeit und Wirtschaftswachstum möglich ist. Mittels kontinuierlicher Investments in erneuerbare Energien und Clean Technology, sowie verschärfter Umweltgesetze, nimmt der einstig führende CO2 Verschmutzer, eine aufstrebende, globale Führungsrolle im Kampf gegen den Klimawandel ein.

Titelbild: http://www.uscnpm.com/model_item.html?action=view&table=article&id=15595