Suizid deutscher Autohersteller

China baut konsequent seine Führungsposition in Sachen Elektromobilität aus. Doch die deutschen Hersteller halten weiter am Absatz überholter Verbrennungsmotoren in die Volksrepublik fest. Mit absehbaren, verheerenden Konsequenzen für tausende Beschäftigte und die deutsche Wirtschaft.

Die chinesische Regierung investiert kräftig und fördert bzw. subventioniert Hersteller und Käufer gleichermaßen. Laut einer McKinsey Studie hatte die Volksrepublik bereits 2016 40% Marktanteil an den global hergestellten Elektroautos. Auch die Ladeinfrastuktur wird mit Nachdruck ausgebaut, rund eine halbe Millionen Ladestationen zur privaten Nutzung, gab es bereits Ende 2017 im Land. Zudem werden Solar-Straßen getestet. Das sind mit Solarpanelen beflasterte Autobahnen, die es zukünftig ermöglichen sollen, Fahrzeuge direkt während der Fahrt zu laden, sowie gleichzeitig die Ära autonomomen Fahrens voran zu treiben.

2017 wurden auf dem chinesischen Markt 777.000 eFahrzeuge verkauft. Innerhalb von 3 Jahren hat sich die Menge verzehnfacht. Bis 2020 möchte China einen jährlichen Absatz von 2 Millionen generieren. Heute sind bereits 1,23 Millionen eFahrzeuge auf Chinas Straßen unterwegs. Doch die Pläne reichen weiter, denn die chinesische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2025 40 Millionen elektrische und (teil-)autonome Fahrzeuge Chinas Straßen befahren.

Das ist insbesondere für die deutschen Automobilhersteller eine bedrohliche Situation. Viel zu lange hat man im Absatz überholter Verbrennungsmotoren auf die Volksrepublik gesetzt. Nach einer Erhebung von Ernst & Young lag Chinas Automobilmarkt 2016 bei 24 Millionen verkaufter Wagen jährlich, seit Jahren stetig ansteigend. Die deutschen Hersteller genießen einen Marktanteil von rund 20%, der jedoch seit Jahren um rund einen Prozentpunkt rückläufig ist. Bisher fiel das nicht allzu stark ins Gewicht, da das immense Wachstum des chinesischen Automarktes den mickrigen rückläufigen Prozentpunkt überrundete. Und trotzdem stürzten sich die deutschen Hersteller seit Jahren tiefer in die Abhängigkeit.

Heute wird jedes dritte Auto (33,9%) deutscher Hersteller in China abgesetzt, für Volkswagen ist das China Geschäft mit rund 38% am Wichtigsten. Ich bin selber studierte Ökonomin. Mit betriebswirtschaftlichem Verstand, nachhaltigem Wirtschaften und unternehmerischer Verantwortung kann ich diese Art des Wirtschaftens nicht erklären. Es erschüttert mich, in welchem Ausmaß und mit welcher Kurzsichtigkeit hier kurzfristige Profite im Vordergrund stehen, obwohl seit Jahren absehbar ist, dass diese tragende Säule der deutschen Automobilindustrie bröckelt.

Aber es geht noch schlimmer, denn um den Markt für Elektroautos weiter auszubauen hat die chinesische Regierung nun für 2019 eine Elektro-Fahrzeug-Quote angekündigt. Entsprechend müssen Autohersteller ab Jahresbeginn zehn Prozent ihrer Fahrzeuge als E-Autos verkaufen, andernfalls drohen Strafzahlungen oder entsprechende Kürzungen beim Absatz von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren.

Wie sich VW und Co unter diesen Bedingungen durchsetzen wollen ist für mich fraglich. Bereits heute kann der chinesische Verbraucher beim Kauf aus 75 eFahrzeugen wählen. In Großstädten wie Peking werden Nummernschilder aufgrund der Luftverschmutzung nur noch über Verlosung zugeteilt, dabei entfallen in diesem Jahr erstmals weniger Nummernschilder auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren (40.000) als auf Fahrzeuge mit alternativem Antrieb (60.000).

Bild: https://pixabay.com/de/autos-technik-vw-parkhaus-214033/
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