350 km/h ohne Verspätung

Auf der Schiene ist China dreifacher Weltmeister: dank schnellster Züge, dem längsten Streckennetz der Welt und einer Pünktlichkeit von über 99%.

Den heutigen Bericht in der China Daily, über die erste Passagierfahrt des neuen chinesischen HighSpeed Zuges D8501, nehme ich zum Anlass, um über das Zugfahren in China zu berichten.

Wenn ich Besuch aus China habe, nutzen meine Besucher meist die Zeit um schnell noch einige Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Doch nach einem solchen Wochenendausflug treffe ich meist auf ernüchterte Blicke: Warum sind Eure Züge in Deutschland eigentlich so unzuverlässig? Damit bestätigt sich der Eindruck vieler genervter Passagiere der Deutschen Bahn. Erst in der vergangenen Woche, hatte Die Zeit über die veralteten Züge, sowie die ständigen Ausfälle und Verspätungen bei der Deutschen Bahn berichtet.

Komfortabel mit 350km/h

In China ist das anders. Während in Deutschland gerade mal 72% der Züge pünktlich kommen, so sind es in China über 99%. Grund hierfür sind moderne Technik, sowie eine effektive Organisation. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie so eine Fahrt klassisch abläuft:

Das Ticket habe ich im Internet bestellt, dann geht es zum Bahnhof. Den Bahnsteig dürfen wir zunächst nicht betreten, er ist menschenleer. Das kann ich von einem Fenster der Wartehalle betrachten, die allen Passagieren „meines“ Zuges zum Warten zugeteilt wurde. Der Raum ist klimatisiert, im Winter beheizt. Als der Zug ankommt, dürfen zunächst die Passagiere aussteigen, erst dann werden die Zugangstüren des Wartebereiches zum Bahnsteig geöffnet. Kein Gedränge, kein Warten, der Zustieg verläuft völlig geordnet und reibungslos.

In modernen, gemütlichen Sitzen geht es dann auf die Reise, mit bis zu 350 km/h. Mit Netzanschluss, Entertainment und voller WLAN-Abdeckung. Für die Chinesen ist das Reisen per Zug im Inland meist viel bequemer, schneller und günstiger, als mit dem Flugzeug.

Die Strecke Peking – Shanghai schafft der Zug in knapp 4,5 Stunden. Sie ist mit 1.318 km die drittlängste Hochgeschwindigkeitsstrecke der Welt und wurde in nur drei Jahren gebaut. Für den Bau der insgesamt 426 Kilometer langen Neubaustrecken Würzburg – Hannover und Stuttgart – Mannheim gingen 17 Jahre ins Land.

HighTech Made in China

Aufgrund der rasch expandierenden Großstädte und der damit verbundenen wachsenden Verkehrsdichte, beschloss die chinesische Regierung Ende der Neunziger, die Metropolen mit Schnellzügen zu verbinden. Damals fehlte ihr noch die Erfahrungen im Bau und Betrieb von Hochgeschwindigkeitszügen, also setzte man auf den Import von etablierten Fahrzeugen und Knowhow aus dem Ausland, u.A. von Siemens und Bombardier.

Heute bauen die Chinesen ihre Züge selbst. Die politische Führung unterstützt diese Entwicklung. Die neuen Züge heißen „fuxing“, was „Wiederaufleben“ bedeutet und auf den Wiederaufstieg der Volksrepublik an die Weltspitze anspielen soll. Im Bereich der Hochgeschwindigkeitszüge hat der chinesische Bahntechnik-Riese CRRC inzwischen einen globalen Marktanteil von 69 Prozent.

Weltmeisterlich

Mit bis zu 350 Stundenkilometern führt China die Liste der schnellsten Serienzüge der Welt an. In 2 Jahren (2020) sollen Schnellzüge mit 400 kmh unterwegs sein. Das Hochgeschwindigkeitsnetz der Chinesen avancierte in wenigen Jahren zum mit Abstand längsten der Welt. Heute 25.000 km lang, soll es bis 2025 auf 38.000 km ausgebaut werden. Gleichzeitig ist die Leistung im Bau und Betrieb der Strecken ohnegleichen: aufwendige Brücken- und Tunnel mussten innerhalb weniger Jahre erbaut werden, praktisch aus dem Nichts sind tausende, moderner Zugleitsysteme, Leitzentren und Bahnhöfen entstanden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Trassen verschiedene Klimazonen durchqueren. Während der Norden Tiefsttemperaturen von -40°C erreicht, können im Süden bis zu +45°C herrschen.

China 2025

Im Rahmen der Initiative China 2025 sollen nun auch bisher vom Wirtschaftsboom vernachlässigte Regionen profitieren. So wird u.A. auch der Westen des Landes an das Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen. Die Trasse soll entlang der neuen Seidenstraße installiert werden.

Bild: http://usa.chinadaily.com.cn/business/2014-01/10/content_17228727.htm

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