China setzt auf Wasserstoff-Technologie

Neben der Batterietechnologie möchte China nun auch zur Nr. 1 der Wasserstoff-Technologie werden. Entsprechend fördert die Regierung die Brennstoffzellenforschung mit massiven Subventionen.

Batterietechnologie am Ende?

2018 wurden erneut mehr als die Hälfte aller global verkauften eFahrzeuge in China verkauft. Im vergangenen Jahr stieg der Absatz gar um 76% im Vergleich zum Vorjahr, auf 1,17 Millionen eFahrzeuge. Dieser Markt fußt derzeit jedoch hauptsächlich auf batterieelektrischen Antrieben und Plug-in-Hybriden.

Doch Professor Katsuhiko Hirose, Nuklearphysiker und General Manager von Toyotas Brennstoffzellen-Entwicklung meint, „die Batterie ist skalenmäßig schon ziemlich am Ende. 70 Prozent der Batteriekosten stecken in den Rohmaterialien, die werden nicht billiger, wenn der Bedarf steigt. Die Brennstoffzelle hingegen hat noch hohe Skaleneffekte vor sich.“

Neben den emsigen Japanern, die seit vielen Jahren erfolgreich im Bereich der Wasserstoffautos forschen, hat nun auch China die Zukunftsperspektiven der Technologie erkannt. Wang Ju, stellvertretender Generalsekretär der International Hydrogen Fuel Cell Association, sagte im Interview mit China Daily: „Wir müssen unsere Forschung im Bereich der FCVs (fuel cell vehicles, dt. Brennstofffahrzeuge) weiter verstärken, um wichtige Durchbrüche bei Kerntechnologien, Grundmaterialien und Schlüsselkomponenten zu erzielen“. Chinas riesiger Automobilmarkt und die Erfahrungen der letzten Jahre, bei der Entwicklung und Förderung von Elektrofahrzeugen, wird sich sicherlich als Vorteil in der neuen Branche erweisen.

Die Vorteile liegen auf der Hand

Die Idee der Wasserstoff-Energie gibt es bereits seit den 70er Jahren. Die Technologie gilt als saubere Energiequelle, da bei Verwendung keine umweltschädlichen Treibhausgase, sondern lediglich Wasser, freigesetzt wird. Seither sind sich viele Wissenschaftler einig, das Wasserstoffkraft eine wichtige Rolle beim globalen Übergang zu einem sauberen, kohlenstoffarmen Energiesystem spielen könnte.

Beim Wasserstoff-Auto wird durch eine Brennstoffzelle elektrische Energie aus Wasserstoff und Sauerstoff erzeugt. Diese Energie wird sofort für den Betrieb des Motors verwendet, lediglich Überschüsse werden in einer Batterie zwischengespeichert. Ein typisches Brennstoffzellen-Fahrzeug, wie der Mirai von Toyota, hat heute bereits eine Reichweite von über 650 Kilometern und benötigt drei Minuten um betankt zu werden. Vergleichsweise weite Reichweiten, der nahezu emissionsfreie Betrieb, sowie der rasche Tankvorgang sind klare Vorteile im Vergleich zu batterieelektrischen Fahrzeugen.

Weltweit befinden sich die FCVs noch in einem frühen Stadium der Entwicklung. Insbesondere die mangelnde Ladeinfrastruktur und damit verbundene hohe Investitionen, standen bisher einem Fokus und dem damit verbundenen raschen Fortschritt bei der Weiterentwicklung dieser Technologie im Weg. Zudem stehen viele Unternehmen und Forschungsinstitute vor der großen Herausforderung, dass es kaum ausreichend Experten und Fachkräfte auf diesem Gebiet gibt.

China nimmt Fahrt auf

Vor diesem Hintergrund begrüßt die Wasserstoff-Energiewirtschaft die zunehmenden Investitionen der chinesischen Regierung. Im vergangenen Jahr (2018) waren es bereits rund 11 Milliarden Euro, Tendenz weiter steigend.

„China hat trotz eines späten Starts rasche Fortschritte in der Wasserstoffentwicklung gemacht und beherrscht die Kerntechnologien der Brennstoffzelle.“ sagt Li Jianqiu, stellvertretender Direktor der Abteilung für Fahrzeugtechnik an der Tsinghua-Universität in Peking.

Ende 2017 waren bereits 1.200 FCV auf Chinas Straßen unterwegs, 2018 wurden weitere 1.000 Wasserstofffahrzeuge hergestellt, bis 2020 sind zusätzliche 5.000 Fahrzeuge geplant. Statistiken, die im vergangenen Jahr von der Society of Automotive Engineers of China veröffentlicht wurden, gehen davon aus, dass bis 2030 etwa 1 Million Brennstoffzellenfahrzeuge auf Chinas Straßen unterwegs sein werden. Gleichzeitig schätzt der Hydrogen Council, dass bis 2030 die Zahl der mit Wasserstoff betriebenen Autos weltweit auf 10 – 15 Millionen ansteigen wird.

Han Xiaoping, Chief Information Officer bei China Energy Net Consulting, äußerte große Hoffnungen in Bezug auf die Entwicklung von Wasserstofftechnologien. „Mit seiner schnellen Industrialisierung, Verstädterung und dem wirtschaftlichen Wachstum seit den 1990er Jahren, hat sich China zum weltweit größten Erzeuger und Verbraucher von Energie, sowie zum größten Emittenten von Treibhausgasen entwickelt. Wir sehen Wasserstoff als einen vielversprechenden alternativen Kraftstoff“.

Bild: https://www.electrive.net/2018/10/24/great-wall-motor-wird-gesellschafter-bei-h2-mobility/