App belohnt nachhaltiges Konsumverhalten 蚂蚁森林

Wie begeistert man möglichst viele Chinesen für den Umweltschutz? Natürlich digital und möglichst spielerisch! Denn im Land der Mitte gibt es rund 802 Millionen (2018) Internetnutzer, 98% davon sind mobil unterwegs.

Umweltschutz per App

Wer in China unterwegs ist, zahlt digital. Die Bezahl-App „Alipay“ macht es möglich. Mit 520 Millionen registrierten Nutzern ist das Pay-Pal Pendant Markführer in China. Wer Alipay nutzt, kann kostenlos die Funktion „Ant Forest“ zuschalten. Dahinter verbirgt sich ein Social Game, dass seine Nutzer für umweltbewusstes Konsumverhalten belohnt.

Auf einem Konto werden Alltagsaktivitäten registriert, die sich positiv auf den CO2 Fußabdruck des Nutzers auswirken. Wer sich auf dem Weg zur Arbeit dafür entscheidet die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, ein Leihrad zu nehmen oder zu Fuß zu gehen erhält Punkte. Ebenso wer beim Begleichen von Rechnungen ohne Papier auskommt oder beim Kauf von Fahrscheinen für Konzerte und Reisen auf digital umsteigt. Jeder registrierte Einkauf zählt. Kauft der Verbraucher Energiesparlampen oder verzichtet beim Einkauf auf Plastiktüten, wirken sich diese, sowie eine ganze Reihe weiterer CO2-Ausstoß reduzierender Aktivitäten, sofort positiv auf das eigene CO2 Konto aus. Gleichzeitig wird der Nutzer sensibilisiert die umweltfreundlichere Variante eines Produktes zu wählen.

Vom virtuellen zum echten Baum

Von den gesammelten Punkten erhält der Nutzer virtuelle Setzlinge, die in der Ant-Forest App gepflanzt werden können und regelmäßig mit weiteren Punkten bewässert und gepflegt werden müssen. Ist der Setzling irgendwann zu einem digitalen Baum herangewachsen, pflanzen Ant Financial und seine Charity-Partner echte Bäume – hauptsächlich im Norden Chinas.

Moderne Satellitenüberwachung von Bäumen und Flächen erlauben den Nutzern die Auswirkungen ihres alltäglichen Verhaltens in der Realität zu erkennen. Lokal werden Mitarbeiter und Drohnen eingesetzt um die kodierten Bäume zu identifizieren, ihr Wachstum und den Gesundheitsszustand der Setzlingen per Mobiltelefon an ihre Stifter zu übertragen.

Satellitenüberwachung neuer Waldflächen
Quelle: https://pandaily.com/ant-forest-allowed-more-than-a-quarter-of-chinese-netizens-to-participate-in-charity-programs-through-the-mobile-internet/

Spielerisch zum Erfolg

Aus der Verhaltensfoschungs ist bekannt, dass sich spielerische Anreize positiv auf das persönliche Konsumverhalten auswirken. Insbesondere für die junge, online-affine Generation ist es ein tolles Instrument um Umweltbewusstsein zu fördern. In der Ant Forest App lassen sich nicht nur eigene Bäume pflegen, auch Setzlinge im Freundeskreis können in der Social App mit Punkten unterstützt und gegossen werden. Durch den sozialen Aspekt, sowie die Bepflanzungsaktionen der Partner-NGOs, erweitert das Programm das virtuelle Erlebnis um echte Resulate in der realen Welt.

Erfolgsgeschichte mit globaler Vorbildsfunktion

Die Funktion „Ant Forest“ ging im August 2016 an den Start. Neben dem Wunsch seine Nutzer zu mehr Umweltbewusstsein zu motivieren, stellt die App für Ant Financial heute ein tolles Kundenbindungsprogramm dar, zudem hat sich das Unternehmen über die Funktion zum Vorreiter der Green Fintech Branche entwickelt.

Rund 300 Millionen (2018) der 520 Millionen Alipay-Nutzer haben die verfügbare Funktion heute freigeschaltet. 55 Millionen Bäume wurden von 2016 bis 2019 auf 507 km2 gepflanzt. 2017 erreichte Ant Financial in der Liste „Change the World“, der Top 50-Unternehmen des Fortune-Magazins, den sechsten Platz. Im gleichen Jahr konnte man die UNEP, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, als Kooperationspartner gewinnen.

Bis Ende 2018 hat Ant Forest insgesamt 79 Millionen US-Dollar in den Umweltschutz investiert und den Verbrauch von insgesamt 1,5 Millionen Tonnen CO2 vermieden. Die UNDP schreibt der chinesischen Plattform eine besondere Bedeutung zu, wie Fintech Unternehmen einzelne Bürger zu nachhaltigem Verhalten motivieren können, um so die Top-Down Maßnahmen des Pariser Klimaabkommens und der SDG’s (Sustainable Development Goals) in einem Bottom-Up-Ansatz zu unterstützen.

Herausforderungen

In zukünftigen Studien muss näher beleuchtet werden, wie nachhaltig sich das Verbraucherbewusstsein über die App verändert. Auch ist nicht bekannt, welche Parameter heute in die Kalkulation des individuellen CO2 Fußabdruckes mit einfließen und welche nicht. Zudem funktioniert Ant Forest heute ausschließlich als Belohnungssystem, Einkäufe die einen hohen CO2 Verbrauch verursachen schlagen nicht zu Buche, außerdem können CO2 intensive Ausgaben einfach über andere Bezahlsystemen getätigt werden. Die Zahlen belegen jedoch, dass sich die freiwillige, spielerische Funktion schon heute positv auf das Konsumverhalten Einzelner auswirkt.

China ist Aufforstungsweltmeister

Unabhängig von den Bemühungen um Ant Forest ist China heute bereits Weltmeister, wenn es um die Aufforstung von Waldflächen geht. Um die Ausbreitung der Wüste einzudämmen, hatte die Regierung bereits 1978 das weltweit größte Aufforstungsprogramm initiiert. Paralell zur Chinesischen Mauer wurde ein Grüngürtel angelegt, der sich über 4.500 km durch 13 Provinzen erstreckt. Bis heute wurden hier mehr als 66 Milliarden Bäume gepflanzt. Bis 2050 soll das Projekt mit 88 Milliarden gepflanzter Bäume abgeschlossen sein.

Während laut jüngster UN-Statistiken die Waldflächen weltweit pro Jahr um fast 6,7 Millionen Hektar zurückgehen, entstehen auf diese Weise jährlich vier Millionen Hektar Waldflächen in China. So trägt „Die grüne Mauer“ im Wesentlichen dazu bei, die weltweite Gesamtfläche der Vegetation einigermaßen zu stabilisieren.